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Die dumpfe Ruhe Utopiens
Hat sich schon irgendwann einmal jemand ernsthaft gefragt, was zum Geier es mit dem Zustand, den wir Leben nennen, eigentlich genau auf sich hat? Bitte ehrlich antworten, mogeln gilt nicht. Ja sagen und nein denken gibt nämlich die gelbe Karte. Aber schliesslich gibt es ja weitaus wichtigere Dinge wie zum Beispiel die tägliche Portion Gehirnwäsche vor dem Fernseher oder die Wahl des richtigen Hundefutters für die Katze – oder für wen auch immer. Tatsache ist: wenn wir unser ganzes Leben bloss unbewusst im Dämmerschlaf vor uns hin vegetieren, dann ist am Ende tatsächlich alles für die Katze gewesen. Heutzutage kann man den Menschen grundsätzlich alles vorsetzen, egal ob Hundefutter oder Fastfood, die meisten würden vermutlich nicht einmal den Unterschied bemerken. Normalerweise taumeln wir schläfrig in den Tag hinein und hangeln uns mühselig von einer Sache zur nächsten und am Ende des Tages fragen wir uns verblüfft, weshalb wohl wieder einmal alles schief gelaufen ist. Meistens haben wir auch gleich die passende Ausrede parat. Entweder sind sowieso die anderen schuld, oder dann nennen wir es eben einfach Schicksal, Zufall, Pech oder was auch immer. Diejenigen, die jetzt aufgebracht „Ja schon, aber...“ einwenden: sorry, falsche Antwort: zweite gelbe Karte.
Aber gibt es denn keine Möglichkeit, diesen verzwickten Kreislauf aus Alltagsfrust und alten Gewohnheiten zu durchbrechen? Tja, gute Frage. Wie wäre es zum Beispiel mit nachdenken? Wie? Höre ich da etwa den Einwand, dass das albern klingt? Mag sein, aber ich rede hier nicht von sinnlosen Tagträumereien, sondern von bewusstem, gezieltem nachdenken darüber, was man eigentlich will. Für diejenigen, die es noch nicht wissen: jeder Mensch hat bei der Geburt die Fähigkeit mit auf den Weg bekommen, durch Konzentration seine Gedanken bewusst in konstruktive Bahnen zu lenken. Dadurch fühlt man sich nicht nur besser, sondern zieht nebenbei automatisch positivere Umstände in sein Leben. Dummerweise sind wir jedoch an das begrenzende Massenbewusstsein angekoppelt, was uns vielfach daran hindert, unsere eigenen Wünsche und Visionen in die Tat umzusetzen. Die ununterbrochene Bombardierung mit Negativschlagzeilen gaukelt uns vor, in einer ach so bösen Welt zu leben, in der wir alle hilflose Opfer eines grausamen Schicksals sind. Das ist natürlich sehr praktisch für einige Leute, denn die grosse Masse lässt sich bekanntlich viel leichter steuern, wenn sie in ständiger Furcht vor dem Unbekannten lebt. Und wenn es gerade nichts unbekanntes gibt, dann erfindet man halt schnell irgend etwas. Zum Beispiel einen tödlichen Grippevirus oder – noch schlimmer - es wird uns das Comeback einer x-beliebigen Boy-Band angedroht. Willkommen in der dumpfen Welt Utopiens, wo geistig Blinde von geistig noch Blinderen geführt werden. Oder besser gesagt: sich führen lassen. Das lustige daran ist, dass alle schön brav bei diesem Spiel mitmachen, ohne überhaupt die Spielregeln richtig zu kennen. Und wenn jetzt jemand (ausser mir natürlich, hehe) behauptet, die Regeln im Spiel des Lebens zu beherrschen, dann sehe ich mich leider gezwungen, wegen, ähem... sagen wir mal, grobfahrlässiger Uebertreibung, die rote Karte zu zücken. Diejenigen dürfen jetzt natürlich auch nicht mehr weiter lesen. Für alle anderen: könnt ihr euch eine Welt vorstellen, in welcher es weder superschlaue Klugscheisser (wie z.b. mich) noch jammernde Schnarchtassen gibt? Was würde sich verändern, wenn sich die Menschen nur für einen einzigen Tag nicht mehr so todernst nehmen würden? Wenn sie einmal von ihrer geliebten Opferrolle ablassen und stattdessen in eine verantwortungsbewusste Schöpferrolle wechseln würden? Wenn sich alle oberflächlichen Wichtigtuer in ganz alltäglichen Situationen für ihre Mitmenschen einsetzen würden? Okay, seien wir realistisch. Sehr wahrscheinlich würde sich genau nichts verändern. Aber hey, zumindest könnte man darüber mal nachdenken, das wäre doch immerhin schon einmal ein Anfang.
Früher oder später ist es sowieso aus mit der scheinheiligen Ruhe dieser Utopie, die wir Realität nennen. Spätestens dann werden wir gezwungen sein, unsere beschränkte Sichtweise zu erweitern und einander zu helfen, anstatt uns gegenseitig zu bekämpfen. Die Welt steht am Vorabend eines neuen Bewusstseins und die nachfolgenden Generationen werden sich nicht mehr damit zufrieden geben, einfach still alles so hinzunehmen, wie es eben nunmal ist, bloss weil es halt schon immer so war. Nein, sie werden die veralteten Gesellschaftsstrukturen aufbrechen und lernen, wie man sich seine eigenen Lebensumstände bewusst erschafft. Der erste Schritt dazu ist, alle festgefahrenen Ueberzeugungen über Bord zu werfen und unsere Aufmerksamkeit nur noch auf diejenigen Dinge zu richten, die uns Freude bereiten. Sobald wir auf dem Schiff unseres Lebens wieder Kapitän sind und das Steuer selbst in die Hand nehmen, ändert sich auch die Fahrtrichtung dementsprechend und plötzlich ist alles im Bereich des Möglichen. Wieso also auf Morgen warten, wenn wir heute schon damit beginnen können, den Dampfer auf Kurs zu bringen? Denn schlussendlich ist das einzige, was zählt, die Gegenwart – alles andere ist im Prinzip...für die Katze. Miau und Tschau.
In diesem Sinne: guten Appetit mit der Suppe, die wir uns selber eingebrockt haben. Wir sollten sie auslöffeln, bevor wir den Löffel abgeben. Sonst gibt's vielleicht mal eins an die Löffel – und zwar vom Leben selber; oder von der Katze, die das Hundefutter essen muss.
© Text by Kermit der Frosch
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