Modern Primitive- join madness

Indien – Mystik, Magie & nervige Leute

Hey Kiddies, bevor ihr eure Ärsche nach Indien oder was weiss ich wohin bewegt, lest erst einmal diesen Reisebericht der etwas anderen Art durch.

Eines vorweg: egal, was ihr im Leben auch immer tut, es wird immer Leute geben, die euch weismachen wollen, dass sie alles besser wissen und einem mit Sprüchen wie „das würde ich auf gar keinen Fall machen“ oder „ey boah ey, das habe ich auch schon gemacht. War mega krass, Mann“ auf die Nerven gehen. Gerade wenn es um Themen wie Reisen in exotische Länder geht, hört man immer wieder masslos übertriebene und ausgeschmückte Räubergeschichten von irgendwelchen selbsternannten, ganz ganz wilden Abenteurern. Mein Tipp Nummer eins: hört niemals auf solche abgefuckten Klugscheisser. Tipp Nummer zwei: hört auch nicht auf mich, denn ich könnte ja auch einer von denen sein. Deshalb empfehle ich, Tipp Nummer drei zu befolgen: Scheiss auf Tipps anyway.

Womit wir schon beim ersten Thema wären: Tip (englisch für Trinkgeld). Wenn jemand das Gefühl hat (so wie ich vor der Reise), dass die Menschen in Indien von Natur aus besonders nett oder gar spirituell sind: vergesst es. In Indien dreht sich alles nur um das liebe Geld. Mehr Trinkgeld = mehr freundliche Leute. Kein Trinkgeld = keine freundlichen Leute. So einfach ist das. OK, das ist jetzt vielleicht ein wenig überspitzt formuliert, denn prinzipiell gibt es überall auf der Welt nette Leute und Arschlöcher. Aber grundfalsch ist obengenannte These trotzdem nicht. Wenn jemand das Gegenteil behauptet, dann ist er entweder verdammt naiv, ein schlechter Menschenkenner oder auf Drogen – oder alles miteinander. Womit wir schon beim nächsten Thema wären: Drogen und Hippies. Wie ihr wahrscheinlich wisst, war Goa früher das Paradies der Hippies – bis die gleichnamige „Musikrichtung“ (ja genau, dieses emotionslose Gefiepe) immer populärer wurde und die Hippies zwang, einer neuen Generation von Aussteigern Platz zu machen. Wobei mittlerweile auch die kommerzielle Tourismusindustrie den Braten gerochen und überall Dutzende von Hotels für „normale“ Badegäste hingepflanzt hat. Trotzdem gibt es auch heutzutage noch einige „Original“-Hippies anzutreffen – aber die können mit ihrem kaputten Aussehen und dem verwirrten Geist höchstens noch als abschreckendes Beispiel für eine Anti-Drogen Kampagne dienen. Fazit: wer mit sechzig Jahren nicht aussehen wie Polo Hofer und stottern wie Ozzy Osbourne will, der sollte besser die Finger von den Drogen lassen. Abgesehen davon riskiert man dafür in einigen asiatischen Ländern nach wie vor die Todesstrafe, oder noch schlimmer, lebenslänglicher Knastaufenthalt.

Aber easy, genug gelästert. Jetzt wollen wir an dieser Stelle mal einige positive Aspekte beleuchten. Das Essen in Indien ist natürlich fantastisch, vor allem für Vegetarier wie meine Wenigkeit. Was? Höre ich da etwa sarkastische Kommentare wie „ohne Fleisch kann ich nicht leben“ oder „nur Weicheier essen kein Fleisch“?  Tja, das ist nicht mein Problem und geht mir ehrlich gesagt meilenweit am Arsch vorbei, ihr Hoschis. Aber ich bin ja kein penetranter Moralapostel, deshalb werde ich mich davor hüten, tiefer in diese Thematik einzudringen, denn sonst wird es philosophisch…verdammt philosophisch sogar. Und schliesslich befinden wir uns hier ja nicht in der Rubrik „Klugscheisser“, sondern bei den ganz harmlosen Reiseberichten. Huch, nanu, jetzt bin ich wohl etwas abgeschweift. Also, zurück zum Thema Essen. Wenn sich euch beim Wort „scharf“ nicht gleich der eigene Arsch über die Fresse stülpt, dann werdet ihr die schmackhafte indische Küche lieben. Allerdings muss ehrlicherweise auch gesagt werden: nach einigen Monaten asiatischem Food hätte ich für eine knusprige Rösti nach Schweizer Art meine Nieren auf dem Schwarzmarkt verkauft. Aber zum guten Glück gibt es mittlerweile in fast jedem Land italienische Restaurants, wo man zur Abwechslung auch mal NICHT scharf essen kann.

Was hat dieser riesige Subkontinent denn landschaftlich zu bieten? Eines haben wohl alle Gebiete gemeinsam: es ist überall verflucht heiss. Abgesehen davon kann man generell sagen, dass die Landschaft im Norden eher wüstenmässig karg ist und immer grüner und tropischer wird, je weiter man nach Süden fährt (man kann natürlich auch nach Süden fliegen – es wird trotzdem tropischer. Hä?). Auch die Menschen sind im Norden eher hellhäutig, im Vergleich zu den dunkelhäutigen Einwohnern im Süden des Landes. Indien ist natürlich auch das Land der krassen Gegensätze. Der Glitter und Glamour der Bollywood-Filme hat mit der teilweise bitteren Armut in den Strassen des echten indischen Alltags nicht viel zu tun. Obwohl es natürlich in jeder Stadt topmoderne fünf-Sterne Hotels gibt, die direkt neben armseligen Wellblechhütten stehen und reiche Geschäftsleute an verkrüppelten Bettlern vorbeigehen, ohne mit der Wimper zu zucken. An einigen Orten ist aber nach wie vor der Geist des mystischen, geheimnisvollen Indiens längst vergangener Tage zu spüren. Doch diese Magie wurde durch die englische Kolonialherrschaft weitestgehend zerstört. Wobei man fairerweise auch die Vorteile nennen muss, welche die englische (und in einigen Gebieten französische sowie portugiesische) Besetzung mit sich gebracht hat. Viele Leute sind gebildet, sprechen englisch (oder eben französisch im Südosten bzw. portugiesisch in Goa) und ausserdem gibt es in fast jeder Stadt gepflegte Parkanlagen sowie ein Internetcafé in jedem versifften Kuhstall. Doch wer einmal einen indischen Markt mit all seinem farbenfrohen Gewimmel und den verschiedenen Geruchsmischungen besucht hat, wird dieses Erlebnis nicht mehr so schnell vergessen. Für das feilschen um die Preise braucht man allerdings Nerven aus Stahl. Womit sich der Kreis schliesst und wir wieder beim Anfangsthema wären: ausnahmslos alle Geldangelegenheiten, die man in Indien abwickelt, sind äusserst nervig. Ausser man hat wie gesagt Nerven aus Stahl. Aber eben; wer ausser mir, James Bond und der Familie Barbapapa hat das schon?

Fazit: Indien ist kein spirituelles Märchenland ausserhalb von Raum und Zeit, sondern ein pulsierendes Land voller verstörender  Kontraste. Aber eines ist sicher: nach einer Indienreise sieht man die Welt mit anderen Augen – ausser man heisst Stevie Wonder (Scheisse, der ist jetzt aber echt fies…).
 

© Text by Kermit der Frosch